| | ... und was machen Sie am Vormittag?" Wie oft wurde diese Frage schon an Opernchorsänger/innen gestellt. Diese Tatsache zeigt uns, wie wenig unser Publikum über diesen schönen, aber auch schweren Beruf weiß. Jeder, der singen lernen möchte, muss singen können, so der Spruch vieler Professoren. Ob das Talent wirklich in einem schlummert, wird durch Singen in Laienchören, durch Gesangsstunden an einer Musikschule oder bei einem privaten Gesangslehrer getestet. Dieser Prozess zieht sich oft über Jahre hin. Hier zeigt sich auch, dass Stimme allein nicht ausreichend ist, um Singen zum Beruf werden zu lassen. Es gehört eine gute Portion Musikalität dazu, aber vor allem die Freude, sich dem anderen durch den Gesang mitzuteilen. Hat nun der sangesfreudige Mitmensch alle diese Voraussetzungen erfüllt, dann könnte er mit dem Gedanken spielen, sich für diesen Beruf ausbilden zu lassen. Dies geschieht meist durch die Musikhochschulen. Wer den Berufswunsch Operchorsänger/in" hat, kann sich auch durch Opernchorstudios einiger großer deutscher Opernhäuser, in Zusammenarbeit mit den Musikhochschulen, ausbilden lassen. Auch hier gibt es natürlich noch die Hürde eines Vorsingens, was die Qualifizierung des einzelnen unter Beweis stellen muss. Ist dieser Schritt positiv verlaufen, so beginnt der lange Weg der Ausbildung, der zwischen 4-6 Jahren liegt. Außer dem Gesangsunterricht, der das Hauptfach darstellt, haben unsere jungen Studenten Fächer wie Klavierunterricht, Musiktheorie, Schauspielunterricht, Bühnentanz, Fechten, Lied- und Arienstudium, Sprecherziehung, aber auch Fremdsprachen, Musikgeschichte, Musikästhetik und noch einiges mehr zu absolvieren. All dies soll einen Gesangsstudenten auf seine Tätigkeit an der Opernbühne vorbereiten. Sehr wichtig ist es, während der Studienzeit Praktika zu durchlaufen. In dieser Zeit wird auch häufig die Entscheidung getroffen, ob man später als Solist oder als Opernchorsänger/in tätig sein möchte. Eine Entscheidung, die meist sehr persönlich ist und von vielen Faktoren abhängt. Nicht jeder gute Solist ist im Opernchor einsetzbar und nicht jeder gute Chorsänger kann solistisch auftreten. Was müssen gute Opernchorsänger/innen eigentlich können? Als erstes sollte natürlich die Stimme optimal ausgebildet sein, um Opern- und Chormusik aus allen Jahrhunderten und allen Stilrichtungen singen zu können. Zweitens müssen sie besonders musikalisch sein, um sich in den mehrstimmigen Chorgesang einzuhören und einzufügen, besondere Anforderungen stellen dabei die Aufführungen von zeitgenössischen Opernwerken. Selbstverständlich müssen Opernchormitglieder auch Chorkonzerte singen. Und drittens müssen sie auf der Bühne allen szenischen Anforderungen gerecht werden und auch kleine solistische Rollen und Partien übernehmen können. Viele Opernchorsänger/innen waren in ihrem Berufsleben an mehreren Theatern oder Opernhäusern tätig. Jedes mal, wenn sie das Haus wechselten, mussten sie, zur Bewerbung, erneut vorsingen und damit ihren Leistungsstand unter Beweis stellen. Wie sieht der Alltag in einem Opernchor aus? Eine neue Operninszenierung wird geplant. Der Tag der Premiere steht fest. Für den Opernchor beginnt die Phase der musikalischen Einstudierung, ein gewohnter Vorgang, der jedoch immer wieder neu ist. Die ersten Proben finden in der Stimmgruppe statt. Soprane, Alti, Tenöre und Bässe proben separat. Der Schwierigkeitsgrad der Oper entscheidet, wie lang diese Probenphase dauert. Sehr oft wird in Originalsprache gesungen, was bedeutet, dass auch die Phonetik dieser Sprache erlernt werden muss. In den letzten Jahren stieg gerade auf diesem Gebiet der Anspruch an den Opernchor. So wird nicht nur in Italienisch, sondern auch in Französisch, Englisch und Russisch gesungen. Ist das Studium in den einzelnen Stimmgruppen erfolgt, so werden die Proben als Damen- bzw. Herrenchorproben und natürlich als Gesamtchorproben fortgesetzt. Jetzt beginnt die Feinarbeit. Die einzelnen Stimmgruppen werden klanglich aufeinander abgestimmt. Die musikalische Dynamik, welche die Oper verlangt, muss eingearbeitet werden. Kurz gesagt, wird der Opernchor zu einem der Oper entsprechenden musikalischen Ganzen geführt, um dann auf den Bühnenproben, die im Anschluss erfolgen, gesanglich das ausdrücken zu können, was Komponist, Regisseur und natürlich der Dirigent mit der Oper dem Publikum sagen wollen. Dies ist eine der schwierigsten Aufgaben. Bei den Bühnenproben angelangt, beginnt die Arbeit des Regisseurs. Obwohl viele Opernchormitglieder in ihrem Berufsleben eine Oper in verschiedene Inszenierungen gesungen haben, beginnt hier das Neuland. Konfrontiert mit einer neuen Regiefassung, oft einer völlig neuen Sicht auf das Werk, sollte man alles Gewesene der letzten Inszenierungen vergessen und die nun einzig wahre Sicht der Regiekonzeption in sich aufnehmen. Ein Vorgang, der oft aus Blau Rot macht. Erfahrene Opernchormitglieder beherrschen diesen Vorgang bedeutend schneller als Berufsanfänger. Es wird in den Kulissen, in Kostümen und zum Schluss mit dem Orchester geprobt. Mit dem Nahen des Premierentermins steigert sich auch die Anspannung, denn der Premierenabend soll natürlich so optimal wie möglich verlaufen. Die Arbeit meist eines Vierteljahres wird dem Publikum präsentiert, und der Applaus ist dann der schönste Lohn. Aber dies ist nicht alles, was ein Opernchormitglied innerhalb einer Spielzeit zu arbeiten hat. Da sind am Abend die laufenden Vorstellungen, die immer in der gleichen Qualität wie die Premieren sein müssen. Das erfordert kontinuierliche Repetitionsarbeit. Kommen neue Solisten, so muss auch mit diesen ein optimales Zusammenspiel geprobt werden. Oft kommt eine Oper längere Zeit nicht zur Aufführung. Die dann notwendige Probenphase ähnelt der einer Neueinstudierung in kürzerer Zeit. Eineinhalb freie Tage hat ein Opernchormitglied in der Woche. Kommt die Endprobenzeit vor einer Premiere, so werden diese freien Tage schon einmal verschoben. Und was machen Sie nun am Vormittag? Wir üben einen Beruf aus, der viel Schweiß kostet, viel Freude macht, und der uns den ganzen Tag über fordert. |